LBV Kreisgruppe Kulmbach

Vogelstimmenwanderung um die Kieswäsch'  - Donnerstag 14.05.2025 - 6:30 Uhr

Foto: Neuntöter/Pixaby
Foto: Neuntöter/Pixaby

Das Naherholungsgebiet Mainaue - die "Kieswäsch" - bei Kulmbach ist nicht nur ein beliebtes Ziel für erholungssuchende Menschen. Auch viele Vogelarten fühlen sich dort wohl. Einige davon wird Frank Schneider von der LBV-Kreisgruppe bei einer Vogelstimmenwanderung am Morgen des Himmelfahrtstages vorstellen. Mit etwas Glück können die Teilnehmer den Drosselrohrsänger, den Pirol, den Neuntöter und den Kuckuck nicht nur hören, sondern auch sehen.

Treffpunkt zu der eineinhalb- bis zweistündigen Wanderung ist um 6.30 Uhr an der Einfahrt zum Parkplatz der Kieswäsch. Die Teilnahme ist kostenlos. Wetterfeste Kleidung und festes Schuhwerk sind ratsam. Ferngläser sollten mitgebracht werden.

 

Wegebau und zur Bachverrohrung im Bereich des Prötschenbachs bei Mainleus/Wernstein

Eine Stellungnahme des LBV

Foto: LBV/privat
Foto: LBV/privat

Kulmbach, 11.5.2026 

 

Die Kreisgruppe Kulmbach im Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) ist bestürzt darüber, auf welch brachiale Weise im Bereich des Prötschenbachtals bei Wernstein in ein Stück bislang weitgehend unberührter Natur eingegriffen wurde! 

Mitglieder der Kreisgruppe waren vor Ort, um sich selbst ein Bild zu machen. Ihre Feststellung: Der Weg ist völlig überdimensioniert, sowohl was die Breite als auch was den Wegeaufbau betrifft. Insgesamt entsteht der Eindruck, als solle hier nicht etwa, wie vom Initiator der Baumaßmahme behauptet, ein Wirtschafts- oder Reitweg entstehen, sondern eine regelrechte Straße, womöglich noch mit Asphaltdecke. Wir vermuten, dass mit diesem Weg die Reitanlage „Sommerschrot“ erschlossen werden soll, um die bisherige Engstelle an der Zufahrt über die Ortsmitte von Wernstein zu umgehen. Sollte über diesen Weg nicht nur der übliche landwirtschaftliche Verkehr fließen, sondern auch die offizielle Zufahrt zur Reitanlage erfolgen, würde das das gesamte Gebiet beunruhigen – zum Nachteil für die Natur. 

Ein absolutes Unding ist für uns die Verrohrung des Prötschenbaches. Abgesehen davon, dass es hierfür eines Planfeststellungsverfahrens bedurft hätte, haben wir es hier mit einem massiven, womöglich irreversiblen Eingriff in einen sensiblen Naturraum zu tun.  

Wir verurteilen die Baumaßnahmen aufs Schärfste und fordern einen Rückbau und die Herstellung des vorherigen Zustandes – wohl wissend, dass die Schäden, die der Natur hier zugefügt wurden, nicht ganz behoben werden können.  

„Wildbienen und ihre Pflanzen“, ein Vortrag von Dr. Joachim Langstein

Eine stahlblaue Mauerbiene.  Foto: LBV-Bildarchiv/Mathias Lohr
Eine stahlblaue Mauerbiene. Foto: LBV-Bildarchiv/Mathias Lohr

Was Wildbienen wirklich brauchen

Ein rundum gelungener und äußerst informativer Vortrag erwartete die Besucherinnen und Besucher bei der LBV-Kreisgruppe Kulmbach: Unter dem Titel „Wildbienen und ihre Pflanzen“ begeisterte Dr. Joachim Langstein mit fundiertem Fachwissen, anschaulichen Beispielen und spürbarer Leidenschaft für das Thema.

Viele denken beim Stichwort „Biene“ zunächst an die Honigbiene – doch in Deutschland gibt es rund 600 Wildbienenarten, deren Lebensweisen und Bedürfnisse sich deutlich unterscheiden. Genau hier setzte der Vortrag an: Dr. Langstein erklärte eindrucksvoll, wie eng Wildbienen und Pflanzen miteinander verknüpft sind und welche entscheidende Rolle dieses Zusammenspiel für funktionierende Ökosysteme spielt.

Besonders anschaulich wurde deutlich, dass Wildbienen weit mehr brauchen als nur „irgendwelche Blumen“. Entscheidend sind passende Pollen- und Nektarpflanzen, geeignete Nistmöglichkeiten sowie spezifische Lebensbedingungen – und das oft hochgradig artspezifisch. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Imker und Dozent an der Universität Bayreuth gelang es Dr. Langstein, komplexe Zusammenhänge verständlich und zugleich spannend zu vermitteln.

Ein besonderes Highlight war die Vorstellung des sogenannten „ökologischen Bienen-Index“, mit dem sich der Wert einzelner Pflanzen für Wildbienen sogar beziffern lässt – ein Ansatz, der bei vielen Zuhörenden für überraschende Erkenntnisse sorgte.

Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der Schutz der Biodiversität ist und wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, Lebensräume für Wildbienen zu erhalten und zu verbessern. Gleichzeitig verstand es Dr. Langstein, seine Begeisterung auf das Publikum zu übertragen und zum genaueren Hinsehen in der Natur zu motivieren.

Ein herzliches Dankeschön an den Referenten für diesen gelungenen Abend!

Vogelstimmenwanderung am MGF-Gymnasium in Kulmbach

Warum singen die Vögel im Frühling besonders eifrig? Was macht der Kernbeißer mit seinem kräftigen Schnabel? Und wie viel wiegt eigentlich ein Sommergoldhähnchen? Diese Fragen können etliche Schüler und Schülerinnen des MGF-Gymnasiums jetzt sicher beantworten. Gemeinsam mit Frank Schneider, unserem "Chef-Ornithologen" waren sie in den letzten Tagen auf dem Kulmbacher Friedhof unterwegs und haben Vögel beobachtet. Naturkunde im grünen Klassenzimmer - das sind Eindrücke, die hoffentlich ein Leben lang hängen bleiben! Wir sind immer gerne dabei, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche für den Naturschutz sensibel zu machen!

 

Fotos: LBV/Katrin Geyer

15 Doppelhäuser unterm Dach

An der Max-Hundt-Schule gibt es jetzt Nistmöglichkeiten für Mehlschwalben / Damit sollen die Lebensbedingungen für die bedrohte Vogelart verbessert werden

Kulmbach

In der Vogelwelt gehören sie zweifellos zu den begabtesten Baumeistern: Aus bis zu 1500 einzelnen Lehmkügelchen bauen sich die Mehlschwalben ihr Nest – meist in luftiger Höhe unter Dachtraufen oder Mauervorsprüngen.

Wenn in den nächsten Wochen die ersten Mehlschwalben aus ihren Winterquartieren zurückkehren, finden sie an der Max-Hundt-Schule an der Wickenreuther Allee in Kulmbach ein ziemlich komfortables Angebot vor: 30 Nisthilfen hängen dort seit wenigen Tagen am östlichen Flügel des Hauptgebäudes – bezugsfertig ohne weitere Baumaßnahmen.

Nicht nur die Schulkinder werden demnächst gespannt beobachten, ob die Schwalben dieses Angebot annehmen und ob es im Sommer dann vielleicht Schwalben-Nachwuchs gibt. Groß ist die Spannung auch in der Kreisgruppe Kulmbach im Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Die nämlich hat das Projekt „Nisthilfen“ angestoßen.

„Ich beobachte die Schwalben dort in der Gegend seit Jahren“, sagt Frank Schneider, innerhalb der LBV-Kreisgruppe zuständig für das Arbeitsgebiet Ornithologie. „Und ich habe gemerkt, dass die Population zusammenbricht.“ Das liege zum einen daran, dass man die Mehlschwalbennester an vielen Hausfassaden entfernt hat – der Kot der Tiere ist für viele Menschen ein Ärgernis. Zum anderen sei auch der Insektenschwund verantwortlich für das Verschwinden der Schwalben. Wo Insekten sterben, wird den Tieren die Nahrungsgrundlage entzogen.

Er habe, so Frank Schneider, dann gezielt gesucht, wo noch Mehlschwalben brüten, und sei an einem Wohnhaus in der Nähe der Schule fündig geworden. Weil die knapp spatzengroßen Vögel standorttreu sind und Jungvögel gerne dort ein Nest bauen, wo sie selbst groß geworden sind, und weil der große Dachüberstand der Max-Hundt-Schule geradezu ideale Bedingungen für Schwalbennester bietet, entstand die Idee, dort ein bisschen nachzuhelfen.

Bei einem Fachhersteller von Nisthilfen wurden insgesamt 30 künstliche Schwalbennestern geordert, angeordnet jeweils paarweise auf einem Holzbrett. Diese Kunstnester sehen den echten sehr ähnlich: kugelförmig mit einem Einflugloch, das so klein ist, dass größere Vögel wie etwa Stare nicht eindringen können, und aus einem rauen Material hergestellt, an dem sich die Schwalben gut festkrallen können. Gut 500 Euro haben die Nester gekostet. 250 Euro hat die Schule aus dem Haushalt für die Arbeitsgemeinschaften beigesteuert; den Rest finanziert der LBV.

Zudem gab es – zum Nulltarif – Unterstützung vom Städtischen Bauhof. Die Unterlage für die Nester wurde mit maßgefertigten Holzwinkeln versehen, so dass sich die ganze Konstruktion jetzt passgenau unter den Dachüberstand einfügt. Mit einem Hubsteiger machten sich Bauhof-Mitarbeiter dann vor wenigen Tagen daran, die Nester in luftiger Höhe zu montieren.

Nun wartet die gesamte Schulfamilie auf die Rückkehr der Schwalben – und darauf, dass die ersten Vögel die neuen Nester beziehen. Frank Schneider geht nicht davon aus, dass schon in diesem Jahr mehrere der Nester besiedelt werden. „Das kann schon einige Jahre dauern, bis genügend Jungvögel nachgewachsen sind, die dann auch dort nisten“, sagt er. Mit dem Einzug der Vögel soll das Projekt „Mehlschwalbe“ nicht zu Ende sein. Lehrerin Anja Leykam hat das Thema im Unterricht schon ausführlicher behandelt; Frank Schneider kann sich zudem noch eine Schulaktion rund um die Schwalben vorstellen. Ideal wäre es seiner Ansicht nach, wenn irgendwo auf dem Schulgelände noch eine Lehmpfütze entstehen könne, wo sich die Schwalben mit Material für selbst gebaute Nester versorgen können.

Was würde ihn besonders freuen? „Wenn die Kinder eines Tages sagen würden: das sind ‚unsere‘ Schwalben!“

 

LBV/Katrin Geyer

1: 15 solcher „Doppelhäuser“ sollen Nistmöglichkeiten für Mehlschwalben bieten.

2: In luftiger Höhe wurden an der Max-Hundt-Schule insgesamt 30 Nisthilfen angebracht.

Fotos: LBV/Katrin Geyer

 

Wir suchen Gartenjury-Mitglieder für das Projekt „Vogelfreundlicher Garten“

Der LBV und das Bayerische Artenschutzzentrum des Landesamts für Umwelt haben 2022 erfolgreich die bayernweite Aktion „Vogelfreundlicher Garten“ gestartet. Bereits über 7.000 naturnah gestaltete und vogelfreundliche Gärten sind bayernweit mit einer Plakette ausgezeichnet worden. Sie soll ein Dankeschön sein und andere Gärtnerinnen und Gärtner inspirieren, ihre Gärten ebenfalls in „Vogelparadiese“ zu verwandeln.

 

Damit auch im Jahr 2026 wieder viele Gärten im Landkreis Kulmbach ausgezeichnet werden können, sind wir auf der Suche nach ehrenamtlichen Gartenjury-Mitgliedern.

 

Für alle, die Lust haben, bei uns im Landkreis Gärten zu bewerten, gibt es am Mittwoch, 18. März von 19 bis 20 Uhr einen Online-Infoabend.

 

Weitere Informationen und Anmeldung unter www.vogelfreundlichergarten.de

 

Kreisgruppe pflanzt 21 Obstbäume

Kaiser Wilhelm, Gräfin von Paris oder Stuttgarter Geißhirtle – diese klangvollen Namen stehen für traditionsreiche Obstsorten, wie man sie auf alten Streuobstwiesen findet. Der Kaiser, die Gräfin und das Hirtle wachsen jetzt aber auch auf einer neuen Obstwiese: Auf dem vereinseigenen Grundstück bei Unterdornlach haben Mitglieder der Kreisgruppe zahlreiche neue Bäume gepflanzt. Die Wiese am oberen Rand eines ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens wird seit Jahrzehnten von der Kulmbacher Naturschützern betreut und soll nun durch die Obstbäume ökologisch aufgewertet werden. Eine bereits bestehende Wiese am unteren Rand des Grundstücks wurde durch einige neue Bäume ergänzt.

Sachkundig angeleitet von Winfried Bloche, der auch die Auswahl der Bäume vorgenommen hatte, wurden Pflanzlöcher ausgehoben, Drahtgeflechte zum Schutz vor Wühlmäusen eingesetzt und die jungen Bäume gepflanzt. Pfähle und Holzmanschetten sollen sie vor Wind und Verbiss schützen.

Insgesamt 14 Apfel-, Birn-, Kirsch- und Zwetschgenbäume wurden in die Erde gebracht. Weitere 7 Bäume später auf einem weiteren Vereinsgrundstück bei Katschenreuth gepflanzt. Praktischer Naturschutz vom Feinsten – bieten die Bäume künftig doch nicht nur Insekten und allerlei anderen Kleinlebewesen Unterschlupf, sondern verbessern auch das Kleinklima vor Ort.

Fotos: LBV/Katrin Geyer, Christine Schergun

Kiebitz

Im Rotmaintal bei Melkendorf gab es im letzten Sommer erfreulich viel Nachwuchs bei den Kiebitzen. Die gute Zusammenarbeit mit dem Landwirt, der die Flächen dort bewirtschaftet zeigte offensichtlich ebenso Wirkung wie der Bau und die arbeitsaufwendige Betreuung eines Zaunes, der vor allem Füchse von den Gelegen fernhalten sollte. In diesem Jahr nun hoffen wir auf einen ähnlichen Erfolg. Die gute Zusammenarbeit mit dem Landwirt setzt sich fort. Der Acker, auf dem hoffentlich viele Vögel brüten werden, wurde vor kurzem wieder eingezäunt. Neue Mitstreiter sind in de Arbeitsgruppe "Kiebitz" übrigens immer herzlich willkommen!

Unterdornlach

Wer der Natur helfen will, muss mit anpacken. Nach dieser Devise wird in unserer Kreisgruppe seit langem gehandelt. Der Frühling ist dabei, was das Anpacken angeht, eine besonders intensive Zeit. In den letzten Wochen standen deshalb etliche Arbeitseinsätze an.

Auf unserem Grundstück bei Unterdornlach, dem ältesten Biotop, das wir besitzen, mussten während des Winters einige Eschen gefällt werden, weil sie umzustürzen drohten. Mit großem Einsatz wurde das Gelände dann von Ästen und Zweigen geräumt und teilweise entbuscht. Geplant ist, dort Obstbäume zu pflanzen.

 

Braunkehlchen

Ebenfalls im Rotmaintal brüten die deutschlandweit stark gefährdeten Braunkehlchen. Leiter hat einer der Landwirte, die dort mit uns kooperieren, die Landwirtschaft aufgegeben. Die bisherigen Brachflächen werden künftig wohl intensiv bewirtschaftet werden. Umso wichtiger ist es, die verbleibenden Flächen für die Braunkehlchen attraktiv zu machen. Hier wurde gemäht und das Mähgut abgefahren, damit die Vögel Flächen für ihre Nestmulden vorfinden. Auch hier war von vielen fleißigen Helfern viel Handarbeit gefragt.

Fotos: LBV/Heidi Mai/ Andreas und Christine Schergun/Katrin Geyer

Damit das Fenster nicht zur Falle wird

Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz hat eine Aktion zur Reduzierung von sogenanntem Vogelschlag gestartet. Als einer der ersten Städte in Bayern wurde Kulmbach für eine vorbildliche Gestaltung der Treppenabgänge auf dem Eku-Platz ausgezeichnet. Ein weiteres Projekt ist in Planung.

 

Kulmbach

Dr. Peter Stimmler, Projektleiter beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz, (links) übergab die Plakette für vorbildliche Gestaltung der Glasflächen an den Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann. Foto: Stadt Kulmbacher
Dr. Peter Stimmler, Projektleiter beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz, (links) übergab die Plakette für vorbildliche Gestaltung der Glasflächen an den Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann. Foto: Stadt Kulmbacher

 

Ein dumpfer Schlag, ein Fleck an der Scheibe, ein paar Flaumfedern, die langsam zu Boden sinken - mehr bleibt oft nicht von einem Tierdrama, das sich millionenfach ereignet: Glasfassaden und große Fensterflächen werden von Vögeln nicht als Hindernis erkannt; der Aufprall endet meistens tödlich. Nach Schätzungen des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) sterben in Deutschland jährlich mehr als 100 Millionen Vögel durch sogenannten Glasanflug, was in etwa fünf bis zehn Prozent aller in Deutschland vorkommenden Vögel entspricht. Betroffen sind nicht nur die häufigen, in Siedlungen lebenden Arten. Auch seltene und bedrohte Arten wie Eisvogel oder Rauchschwalbe gehören immer wieder zu den Opfern. Nicht immer sterben die Vögel unmittelbar durch die Kollision. Manche verenden oft erst einige Zeit später an schweren inneren Verletzungen. Die genaue Anzahl der durch Kollisionen mit Fenstern verursachten Vogeltode ist schwer zu bestimmen. Die meisten bleiben unbemerkt: Ein Teil der Vögel stirbt sofort, wird jedoch schnell von Menschen oder von anderen Tieren wie Katzen, Mardern oder Elstern weggebracht. Ist der Vogel nicht sofort tot, fliegt er in der Nähe umher und stirbt später an inneren Verletzungen. Dass Glas die Todesursache war, kann dann nicht mehr festgestellt werden. Aber es geht auch anders: Fensterscheiben und Glasfassaden lassen sich so gestalten, dass sie von Vögeln gut erkannt werden.

 

 

Solche guten Beispiele sollte es mehr geben: Lob für die Stadt gab es auch von der Kulmbacher Kreisgruppe des LBV. Unser Bild zeigt (von links) Michael Kuhnlein vom Tiefbauamt der Stadt Kulmbach, Oberbürgermeister Ingo Lehmann, LBV-Projektleiter Dr. Peter
Solche guten Beispiele sollte es mehr geben: Lob für die Stadt gab es auch von der Kulmbacher Kreisgruppe des LBV. Unser Bild zeigt (von links) Michael Kuhnlein vom Tiefbauamt der Stadt Kulmbach, Oberbürgermeister Ingo Lehmann, LBV-Projektleiter Dr. Peter

So, wie zum Beispiel die Glasfronten an den Treppenabgängen zur Tiefgarage unter dem Eku-Platz in Kulmbach: Hier sorgt seit der Neugestaltung im Jahr 2018 ein dichtes Netz aus Punkten dafür, dass die großen Scheiben für Vögel als Hindernis wahrgenommen und umflogen werden können. Eine vorbildliche Gestaltung - meint der LBV und hat die Stadt Kulmbach deshalb dafür öffentlich gelobt und mit einer Plakette ausgezeichnet. Als eine der ersten Kommunen in Bayern übrigens. "Wir wollen mit dieser Plakette die Bemühungen um eine vogelfreundliche Gestaltung anerkennen und deutlich machen, dass hier die Kommune eine Vorbildfunktion übernommen hat", sagt dazu Dr. Peter Stimmler. Stimmler ist Leiter des Projektes "Unsichtbares sichtbar machen", das der LBV vor kurzem gestartet hat. Ziel des Projektes: Behörden dafür zu sensibilisieren, bei öffentlichen Bauten dem sogenannten Vogelschlag vorzubeugen. Auch an Privatleute wendet sich das Projekt: "Wir informieren und zeigen, wie jeder bei sich zuhause etwas zum Schutz der Vögel tun kann." Im Grunde genommen ist das nicht schwer: Wenn Vögel eine Glasscheibe nicht wahrnehmen oder in der sich darin spiegelnden Landschaft eine Fortsetzung ihres natürlichen Lebensraumes sehen, ist die Gefahr groß, dass sie dagegenprallen - mit tödlichen Folgen. Vereinzelt aufgebrachte Muster - wie etwa an einem großen Teil der Buswartehäuschen im Stadtgebiet -, UV-Schutz-Folien oder auch aufgeklebte Greifvogelsilhouetten nützen nichts, sagt Experte Stimmler. "Versuche in einem Flugtunnel haben gezeigt, dass ausschließlich ein relativ dichtes Muster die Vögel dazu bringt, rechtzeitig abzudrehen."

Eines von Millionen Opfern: Große Fensterflächen und Glasfassade können für Vögel zur tödlichen Falle werden. Foto: LBV/Peter Bria
Eines von Millionen Opfern: Große Fensterflächen und Glasfassade können für Vögel zur tödlichen Falle werden. Foto: LBV/Peter Bria

Aber wie bringt man solche Muster auf große Fensterflächen? Ist das für Privatleute finanzierbar? Und kann man dann, wenn eine Scheibe dicht beklebt ist, überhaupt noch hinausschauen? Fragen, die sich stellen. Kein Problem, heißt es aus der LBV-Geschäftsstelle. In Zusammenarbeit mit der Firma Seen im schweizerischen St. Gallen wurden Folien entwickelt, die sich mühelos auf Fensterflächen aufbringen lassen. Werden sie wieder abgezogen, bleiben winzige Punkte zurück, angeordnet in einem Raster von etwa zehn mal zehn Zentimetern. Eng genug, um Vögel abzuhalten - aber dezent genug, um nach wie vor den Durchblick zu gewährleisten. Das bestätigt Peter

Stimmler: "Diese Folien haben einen sogenannten Bedeckungsgrad von nur 0,8 Prozent. Aber sie können Vogelschlag um 90 Prozent reduzieren." Mittlerweile vertreibt der LBV diese Folien, die rund zehn Jahre lang haltbar sind, auch in seinem vereinseigenen Shop. Für sehr große Glasflächen, vor allem solche im öffentlichen Raum, eignet sich dieses Verfahren nur bedingt. Ideal seien, so Peter Stimmler bei der Übergabe der Plakette an die Vertreter der Stadt, geätzte Glasscheiben. "Die kosten natürlich etwas mehr als normales Glas. Aber in Relation zu den Gesamtkosten etwa einer städtischen Baumaßnahme fällt das kaum ins Gewicht." Bei der Stadt Kulmbach freut man sich sehr über die Auszeichnung mit der LBV-Plakette, die mittlerweile am Treppenabgang in der Sutte angebracht und mit einem QR-Code ergänzt wurde, der Passanten weitere Informationen liefert. "Es ist schön, dass unsere Bemühungen honoriert werden", so Oberbürgermeister Ingo Lehmann. Der Vogelschutz sei auch in Zukunft ein wichtiges Thema. "Wir bleiben dran." Dass dies nicht nur eine bloße Absichtsbekundung ist, zeigt die Tatsache, dass Projektleiter Stimmler mittlerweile im regelmäßigen Austausch ist mit Mitarbeitern des städtischen Bauamtes. Das gemeinsame Ziel: Die Nachrüstung der großen Fensterscheiben an der Bücherei am Stadtpark.   

 

 

Von Katrin Geyer/LBV